Plose Wanderung

Friendship-Detox und mein 30. Geburtstag

29+1 …. naja ok. Die meisten werden wohl 30 dazu sagen. 30 ist das Ende von 20. Darf ich mich dann dieses Jahr noch Ende 20 nennen? Oder muss ich mich Anfang dreißig nennen. Oder brauche ich mir darüber keine Gedanken mehr machen, weil ab nun spricht man nicht mehr über sein Alter. Naja… wie auch immer. Man kann es drehen und wenden wie man will. Ich muss jetzt, ob ich will oder nicht, Erwachsen sein. Und zwar so richtig. Mein mädchenhaftes Schmetterlingsgeldtascherl habe ich gegen eine qualitativ hochwertige Geldbörse eingetauscht. In meinem Kleiderschrank befinden sich seit neuestem erstaunlich viele Blusen und in meinem Badezimmerschrank steht bereits die erste Antifaltencreme.

Geburtstag

mein 30. Geburtstag

Eigentlich hatte ich nie ein Problem mit dem Älter werden. Warum denn auch, immerhin wird jeder älter. Und älter werden ist doch was tolles. Während des Alterns erlebt man wunderbare Dinge, kann sich die Welt ansehen und wertvolle Lebenserfahrungen machen, Freundschaften knüpfen, lachen und das Leben genießen. 364 Tage im Jahr hast du die Möglichkeit das Leben in vollen Zügen auszukosten und zu genießen. Und dann kommt dieser 365. Tag und genau dieser Tag bringt dich aus dem Gleichgewicht. Lässt dich daran erinnern, wie vergänglich das Leben ist. Du wirst älter. Du, mit jeder einzelnen Zelle deines Körpers. Die biologische Uhr beginnt zu ticken. Was hat sich verändert? Am Tag zuvor war doch alles noch gut? Plötzlich machst du dir Gedanken über vergangene Zeiten. Vielleicht nur das letzte Jahr, oder sogar die letzten 10 Jahre. Das Leben hat seine Spuren hinterlassen. Äußerlich, aber vor allem innerlich. Natürlich… es gab gute Zeiten, aber eben auch schlechte. Und das wirklich schlimme am älter werden ist, die Probleme werden immer größer und du schleppst von Jahr zu Jahr mehr Ballast mit dir rum.

Hängeseilbrücke Geierlay

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Apropos Ballast. Von diesem kann man sich ja auch trennen. Liegt nicht dieses Detox gerade voll im Trend? Egal ob der Verzicht auf Nahrung oder auf digitale Medien. Wer nicht Detox macht, ist noch nicht im Jahr 2018 angekommen. Aber Achtung, dieses ist bald zu Ende, also beeil dich, falls du noch nicht gedetoxt hast! Hierbei handelt es sich aber nicht nur um einen Verzicht, sondern auch um eine Befreiung. Befreie dich von Dingen, die du nicht brauchst, die dir nicht gut tun. Egal ob von materiellen Dingen (Kleidung zum Beispiel) oder von negativen Gedanken. Löse dich und mach dich frei. Nimm Abschied. Trenne dich.

Trenne dich. Klingt ganz schön hart oder?

In den vergangenen 10 Jahren musste ich mich von vielem trennen. Meinem Wohnsitz zum Beispiel. Meinem Heimatland. Eine Trennung die mir nicht sonderlich schwer gefallen ist, denn ich darf nun mit meiner große Liebe zusammen wohnen und meinen Weg mit ihm an meiner Seite beschreiten. Ich musste mich von Arbeitsplätzen trennen, habe mich selbst der gewohnten Umgebung entrissen um nun Neues zu lernen, im Chemiestudium und auch als Kleinunternehmerin. Und vor kurzem musste ich mich auch von meinem heißgeliebten 2-er verabschieden und trage jetzt eine 3 vorne dran. Naja, immerhin sagen die meisten Ü50, dass die Zeit zwischen 30 und 40 die schönsten Jahre sind. Also doch was worauf ich mich freuen kann. All diese Trennungen waren traurig, aber so ist der Lauf der Dinge, man verändert sich, entwickelt sich weiter, und das Ende des Einen bedeutet immer den Neuanfang des Anderen. Was nicht bedeutet, dass eine Trennung dadurch weniger schmerzhaft sein wird. Denn immerhin gibt es auch Trennungen die richtig hart sind, Trennungen von wichtigen Menschen in deinem Leben. Freundschaften gehen aus den verschiedensten Gründen auseinander. Sei es auf Grund der Entfernung, weil sich die eine Person gerade in einer komplett anderen Lebenssituation befindet als die andere oder auf Grund von Missverständnissen. Und dann gibt es noch die Trennung von Menschen, die einem nicht gut tun. Die drei schlimmsten Freundschaftstypen habe ich für dich zusammengefasst.

Burg Eltz

Burg Eltz

Der Diktator:

Es gibt Menschen, die über dich herrschen wollen. Mit ihrer forschen Art wollen sie dir Angst machen und zeigen dir immer und immer wieder wer den Ton in der Beziehung angibt. Und glaube mir, das wirst nicht du sein. Du wirst immer nach den Pfeifen der Diktatoren tanzen müssen. Sie wissen ganz genau, was du zu wollen und wie du zu leben hast. Und wenn du mal nicht so handelst wie es in deren Kopf für dich vorherbestimmt gewesen wäre, dann lassen sie dich fallen. Ganz einfach. Wie eine heiße Kartoffel. Und nach dem Motto: was am Boden liegt hebt man nicht auf, werden sie dich auch nie wieder aufheben.

Der Sensationsgeile:

Manche Menschen schmieren dir besonders viel Honig ums Maul. Sie erzählen dir das Blaue vom Himmel, nur um dein Vertrauen zu gewinnen. Sie geben dir das Gefühl du könntest dich ihnen öffnen, um an möglichst viele verwertbare Informationen von dir zu kommen. Sobald du dann deine tiefsten Gedanken und Träume mit Ihnen geteilt hast, musst du dich fürchten, dass sie alles gegen dich verwenden. Hinterrucks rammen sie dir ein Messer in die Brust und anstatt es rauszuziehen, dich einfach am Boden liegen zu lassen und zu verschwinden, drehen sie das Messer kräftig in alle Richtungen. Anstatt Vodka zur Desinfektion nachzuschütten, beschmeisen sie dich mit Dreck, so dass deine Wunden auch ja lange nacheitern und schöne dicke Narben entstehen.

Die Stechmücke:

Eine weitere gefährliche Menschengattung sind die Stechmücken. Sie balabern und balabern, ihr Leben besteht aus einer einzigen Tragödie und der Retter in Not musst du sein. Jegliche Art von Arbeit bleibt an dir hängen, Stück für Stück saugen sie an deiner Lebensengergie und du kannst nur hoffen, dass sie dir dabei keinen hartnäckigen Virus übertragen. Immerhin reicht es schon, dass du ihnen beide Ohren zur Verfügung stellst, ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen willst, wo du nur kannst, und im Gegenzug erhältst du von ihnen was? Ein feuchtes Nichts.

Die Bereitschaft Türen hinter sich zu schließen

Von genau solchen Menschen, von Stechmücken, Diktatoren und Sensationsgeilen musste ich mich trennen. Der ein oder andere ist sogar eine Mischung aus allen drei Formen. Ein Außenstehender wird sich nun denken: Du MUSSTEST dich trennen? Sei doch froh, dass du diese Untermenschen los bist! Sie sind es nicht wert, ihnen nachzutrauern. Aber wie das so ist in jeglicher Form der Liebe, du kannst dir nicht aussuchen um wen und wie lange du trauerst. Manch eine Trennungen habe ich nach einigen Monaten überwunden, andere dauerten über Jahre hinweg und an wieder anderen halte ich immer noch fest, warum auch immer. In meinen nun bereits 30 gelebten Jahren habe ich also schon einiges über friendship-Detox lernen müssen, und ich weiß heute, dass Trennungen noch mehr weh tun als der Tod. Denn dieser ist dann wenigstens von heute auf morgen da, bleibt und ist endgültig. Wenn du dich jedoch „nur“ von jemanden trennst, wirst du mit dieser Person immer und immer wieder konfrontiert werden. Anstatt friedlich abzuschließen, sucht sie dich heim wie ein verrückter Poltergeist. Wenn dieser Mensch dann nicht mal weiß, wie tief und nachhaltig er dich verletzt hat, setzt das dem ganzen noch die Krone auf.

Aiplspitz Wanderung

Aiplspitz Wanderung

Den Blick für das Wesentliche schärfen

Doch was war jetzt noch mal der tiefere Sinn, hinter dem ganzen Detox-Zeug? Achja, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Dankbar zu sein, für das was man hat, und nicht traurig darüber zu sein, was man nicht hat. In den vergangenen Jahren habe ich nämlich nicht nur Freunde verloren, ich habe auch welche dazugewonnen. Freunde, die mich in keinster Art und Weise bedrängen. Freunde die mich nehmen wie ich bin und nicht zu ihrer Wunschvorstellung formen wollen. Das sind Menschen, bei denen ich nicht über jedes Wort nachdenke, wie es beim Gegenüber ankommt, ich kann einfach drauf los plappern und sein wie ich bin. Denn sie verstehen meine Art zu denken und suchen nicht in einem Missverständnis nach Streit. Sie lachen mit mir, auch wenn es eigentlich nichts mehr zu lachen gibt. Das sind die Leute, deren Meinung mich interessiert, Leute die sich in meiner Weltanschauung wiederfinden. Ich freue mich von ihnen täglich zu hören, aber es ist auch nicht schlimm wenn mal Funkstille herrscht. Denn Freunde geben sich gegenseitig Freiraum und Luft zum Atmen. Ein Gespräch mit meinen Freunden raubt mir keine Energie, im Gegenteil, danach sind meine Batterien wieder vollständig aufgeladen. Freunde, das sind die Menschen die bleiben wenn andere gehen, und die mich auch dann besuchen dürfen, wenn ich die Wohnung mal nicht frisch geputzt habe. Freunde. Das sind die Menschen, von denen ich mich nicht trennen will.

Herbst

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2 Kommentare
  1. Katharina says:

    Hallo Veronika, einen verspäteten happy Birthday sende ich dir und ein wirklich inspirierender Artikel… Das Thema Friendship-Detox find ich sehr spannend… kann so befreiend sein und erfordert gleichzeitig einiges an Mut. Chapeau, dass es dir so gut gelungen ist. Ich arbeite hier und da noch an meinem Mut 🙂 LG Katharina

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    • smilesnapandtravel says:

      Liebe Katharina!
      vielen Dank erstmal für deine Glückwünsche und deinen netten Kommentar.
      Befreiend kann es sein, wenn man es dann endlich mal geschafft hat. Aber so wie du, muss auch ich ständig an meiner Willenskraft und inneren Stärke arbeiten. Wir schaffen das !
      Liebe Grüße, Veronika

      Antworten

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